Miraya von Akryptus und Peter von Erde • schreiben Geschichte • eine, die jeden Tag wächst …
LEGEND Annette Gralke Miraya von Akryptus und Peter von Erde
LEGEND • Annette Gralke • Edition
HEART • Craft
Miraya von Akryptus & Peter von Erde
eine Geschichte, die jeden Tag wächst
Sie hatten keine Karte.
Nicht, weil sie den Weg nicht kannten.
Sondern weil sie wussten,
dass jede Landkarte nur Orte zeigt,
an denen andere bereits gewesen waren.
Sie wollten dorthin,
wo noch niemand eine Straße eingezeichnet hatte.
Peter startete den Motor.
Miraya legte ihre Hand auf seine Schulter.
Kein Wort.
Zwischen ihnen war nichts,
das erklärt werden musste.
Der Wind nahm ihnen die Gedanken ab.
Kilometer für Kilometer
wurde die Vergangenheit kleiner.
Nicht hinter ihnen.
In ihnen.
Sie fuhren an Städten vorbei,
die ihren Namen vergessen hatten.
An Wäldern,
die sich noch an Sterne erinnerten.
An Menschen,
die glaubten,
sie seien auf der Suche.
Dabei wartete die Suche längst
auf sie.
Als die Sonne unterging,
fragte Peter zum ersten Mal:
»Glaubst du,
wir kommen irgendwann an?«
Miraya lächelte.
»Wir sind angekommen,
in dem Moment,
als wir aufgehört haben,
umzukehren.«
Und der Motor summte leise weiter,
als hätte auch er
endlich verstanden,
dass manche Reisen
nicht zu einem Ort führen.
Sondern
zu einem Leben.
LEGEND Annette Gralke, Miraya von Akryptus und Peter von Erde
„Wettrennen bis zum Beckenrand?“
Peter grinste schon, bevor Miraya überhaupt antworten konnte.
„Du verlierst sowieso.“
„Das glaubst auch nur du.“
Im nächsten Augenblick sprangen beide gleichzeitig ins Wasser.
Die Nachmittagssonne glitzerte auf der Oberfläche, Kinder lachten irgendwo in der Ferne, und für einen kurzen Moment schien die Welt nur aus blauem Wasser und warmem Licht zu bestehen.
Miraya ließ sich rücklings treiben.
„Weißt du“, sagte sie leise, „ich glaube, Glück fühlt sich gar nicht spektakulär an.“
Peter sah sie fragend an.
„Sondern?“
„Genau so.“
Er nickte.
Kein Handy. Keine Termine. Kein Müssen.
Nur Wasser.
Nur Sommer.
Nur zwei Menschen, die vergessen hatten, wie spät es war.
Eine ganze Weile sagten sie nichts.
Dann drehte Peter sich zu ihr.
„Hast du heute Abend eigentlich schon etwas vor?“
Miraya lächelte.
„Kommt darauf an.“
„Ich dachte … wir könnten zusammen kochen.“
„Selbst?“
„Natürlich selbst.“
„Und was gibt es?“
Peter lachte.
„Keine Ahnung. Wir kaufen einfach das, was uns anlächelt.“
Miraya musste ebenfalls lachen.
„Das ist vermutlich das beste Rezept, das ich je gehört habe.“
Sie stiegen aus dem Wasser, wickelten sich in ihre Handtücher und gingen langsam Richtung Ausgang.
Der Tag war noch lange nicht vorbei.
Eigentlich begann er gerade erst.
Denn manchmal entstehen die schönsten Geschichten erst dann, wenn niemand mehr damit rechnet.
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„Ich glaube, wir haben etwas vergessen“, sagte Miraya, als sie die Einkäufe auf den Küchentisch stellte.
Peter sah sich um.
„Was denn?“
Sie lächelte.
„Ein Rezept.“
Peter lachte.
„Perfekt. Dann müssen wir heute unserem Herzen beim Kochen zusehen.“
LEGEND Miraya von Akryptus und Peter von Erde
Miraya blieb mitten auf der Blumenwiese stehen.
„Peter … guck mal!“
Peter hob den Kopf.
„Ach du meine Güte …“
Über ihnen hing ein Vollmond, so groß, als hätte jemand vergessen, ihn in die richtige Umlaufbahn zu schieben.
Sie setzten sich ins Gras.
Eine Weile schwiegen sie.
Dann fragte Miraya:
„Was meinst du, worüber sich die Menschen da unten gerade die meisten Gedanken machen?“
Peter grinste.
„Vermutlich darüber, wer recht hat.“
„Und wer hat recht?“
Peter schaute zum Mond.
„Der Mond.“
Miraya musste lachen.
„Warum denn der?“
„Weil er seit Milliarden Jahren zuschaut und sich noch nie in die Kommentare eingemischt hat.“
Sie kicherten beide.
Der Mond schien ein kleines bisschen heller zu werden.
„Meinst du, der sieht alles?“, fragte Miraya.
„Bestimmt“, sagte Peter.
„Er sieht Menschen, die sich über Politik streiten und fünf Minuten später gemeinsam ein Eis essen.
Er sieht Raketen starten und gleichzeitig Kinder, die Glühwürmchen entdecken.
Er sieht Börsenkurse rauf und runter hüpfen, während irgendwo jemand still einen Baum pflanzt.
Und wahrscheinlich wundert er sich jeden Abend aufs Neue, warum die Menschen so oft vergessen, nach oben zu schauen.“
Miraya nickte.
„Vielleicht denkt der Mond manchmal auch: Ihr seid eigentlich eine ganz liebe Erde … ihr seid nur gerade ein bisschen laut.“
Peter lächelte.
„Dann sollten wir ihm heute Nacht zeigen, dass es auch anders geht.“
Sie legten sich ins Gras.
Sagten nichts mehr.
Und für einen kurzen Augenblick hatte selbst der Vollmond das Gefühl, dass auf der Erde doch noch alles möglich war.